More

Das deutsche Sterben der US-Top-Serien

Das die deutschen TV-Sender die veränderte Mediennutzung durch das Internet entweder nicht wahr haben wollen oder schlicht ignorieren wissen wir spätestens seit dem Zitat von RTL-Cheffin Anke SchäferkordtEs ärgert mich, wenn ich Studien lese, die behaupten, Internet löst TV ab. Die jungen Leute nutzen die meiste Zeit damit, Mails zu schreiben. Das aber hat mit Mediennutzung etwa so viel zu tun, wie eine Kuh mit dem Radfahren“.

Das sie es aber deutlich zu spüren bekommen wissen wir aber auch seitdem die Quoten der in den USA starken Serien wie Lost, Californiacation oder Dexter im deutschen TV nur Mittelmaß oder totale Flops sind. Und das obwohl solche Serien weltweite Fangemeinden haben.

Die Süddeutsche kommt dem Grund dafür recht nahe: „Amerikanische TV-Serien haben im deutschen Fernsehen schlechte Einschaltquoten, weil die Zuschauer sie schon im Internet gesehen haben. Dass es strafbar ist, stört kaum jemanden.

In der Tat eröffnet das Internet den Serien-Fans ganz neue Möglichkeiten. Diese müssen aber nicht zwangsläufig „strafbar“ sein.

Solange die TV-Sender nicht verstehen das der Konsument auch gleichzeitig ihr wichtigster Kunde ist, sondern den Zuschauer nur als Mittel zum Zweck der Werbegelder betrachten, wird sich an der Quotenentwicklung nichts ändern. Solange Top-Serien mit oftmals einjähriger Verspätung in das deutsche Fernsehprogramm kommen, werden die Sender mit ansehen müssen das sich die Serien-Fans bereits das US-Original beschafft haben.

Natürlich ist es kein Problem über illegale Quellen im Internet Zugang zu den Serien zu bekommen, oftmals schon wenige Stunden nach der Erstaustrahlung im US-TV. Aber auch ganz legal lassen sich die kompletten Staffeln online abrufen. Zum einen durch Dienste wie HULU (auch wenn hier offiziell keine Nutzung ausserhalb der Vereinigten Staaten möglich ist – über diverse Hilfsmittel wie IP-Blocker ist es dennoch möglich), zum andern über den amerikanischen iTunes Store – ganz legal gegen Bezahlung. Und solange es diesen enormen Zeitversatz zwischen den US-Originalen und den lokaliserten Fassungen gibt, ist es auch ohne Probleme – und ebenfalls völlig legal- möglich sich die kompletten Staffeln auf DVD über diverse Online-Shops zu kaufen.

Die Zeiten haben sich geändert und die Sender müssen darauf reagieren oder weiter im Tal der Tränen über die Quoten jammern und natürlich auch die Werbepreise deutlich anpassen – sprich reduzieren.

Die Lösung des Problems ist ziemlich einfach. Zuerst müssten die deutschen Sendergruppen endlich verstehen, dass das Internet eben nicht nur zum Mailen und Chatten da ist und der Konsument heute nunmal die Möglichkeiten des Internet hat und nutzt. Also nicht nur der dumme Quotenbringer ist der er jahrelang war.

Die Sender wollen Geld durch die Werbung verdienen. Doch vor dem Verdienen muss investiert werden.

Natürlich ist eine lokalisierte Fassung einer Serie nicht über Nacht zu schaffen und braucht seine Zeit. Aber rechtfertigt dieses Argument eine Zeitspanne von mehreren Monaten oder gar Jahren? Ist es nicht viel mehr so, dass je länger die deutschen Sender mit dem Einkauf der Serien warten auch die Lizenzkosten sinken?

Viele Kinofilme zeigen, dass es durchaus möglich ist relativ Zeitnah eine synchronisierte Fassung in die Kinos zu bringen. Viele Filme starten mittlerweile sogar oft weltweit zeitgleich.

Ich denke das es möglich ist auch US-Serien fast parallel auf die deutschen TV-Schirme zu bringen wenn die Sender dafür tiefer in die Tasche greifen und Serien frühzeitig lizensieren. Wer zu lange wartet – damit der Preis pro Staffel fällt – darf sich hinterher nicht wundern, dass die Quote nicht stimmt und somit auch die Gewinne durch Werbeeinnahmen geringer ausfallen als angepeilt.

Natürlich gibt es aus Ausnhamen wie Dr.House. Hier laufen sogar die Wiederholungen oftmals besser als bei anderen Sendern die Erstaustrahlungen. Aber hier liegt es zum einen daran, dass die einzelnen Folgen nicht so stark an den gesamten Handlungsstrang gebunden sind wie z.B.: bei Lost und auch der Altersdurchschnitt etwas höher liegt – womit wir wieder beim somit entkräfteten Zitat der Anke Schäferkordt sind, dass die „Jugend“ ihre Zeit im Internet mit Mailen verbringen.

Also entweder richten die Sender ihre Programme auf die älteren Generationen aus oder fangen an die geänderten Bedingungen zu akzeptieren und investieren im Sinne ihrer Zuschauer mehr Geld um Top-Serien schneller senden zu können.

Bevor die Zielgruppe die Gedult verliert und sich eben noch mehr als sie es eh schon machen über das Internet unterhalten lässt…

4 Comments

  • Reply
    Sachar
    22. Januar 2009 at 10:08

    Kleiner Hinweis: Es ist nicht legal, sich im amerikanischen iTunes-Store Serien runterzuladen – selbst wenn man dafür zahlt. Laut den AGBs darf man das nur tun, wenn man einen amerikanischen Wohnsitz hat. Ich sage nicht, dass es nicht möglich ist, ich weise nur darauf hin, dass es rechtlich nicht einfach ist, wie es darfestellt wird.

  • Reply
    Lars Wichert
    22. Januar 2009 at 10:41

    @sachar: Nennen wir es „Semi-Legal“, denn es wird ja eine ordentliche Gebühr entrichtet. Eine Strafverfolgung schließe ich in dem Fall aus 😉

    Zudem könnte Apple es ja wirklich sperren – wenn sie wollten!

  • Reply
    ProSieben rasiert Terminator S.C.C. - und die Fans der Serie bleiben auf der Strecke! — Marken, Medien, Mainstream
    23. Februar 2009 at 21:39

    […] tut mir doch bitte demnächst einen Gefallen und kauft am besten gar keine US-Serien mehr ein. Die Gründe für die “schlechte Quote” habe ich ja schon einmal erwähnt – aber es macht echt […]

  • Reply
    Zappo
    30. August 2011 at 15:52

    Ich denke, die Einschaltquoten leiden nicht nur wegen des Internets. Es wird mittlerweile einfach so viel Mist und Müll gesendet, dass sich das viele Zuschauer einfach nicht mehr für das TV-Programm interessieren. Dazu kommt, dass viele junge Leute sich in sozialen Netzwerken -allen voran Facebook- tummeln anstatt fern zu schauen.
    Wenn die Fernsehsender gut Qutoen haben wollen, sollten sie ihr Programm attraktiver gestalten, anstatt herumzujammern.

  • Kommentar verfassen

    %d Bloggern gefällt das: